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Keltische Götter und Göttinnen der Kelten

Der gedankliche Ansatz, wie er nach wie vor auch in der wissenschaftlichen Keltologie vorhanden ist, ein Pantheon-System, keltisch oder allgemein indogermanisch, als Theorie erfassen zu wollen, ist mit der tatsächlichen Überlieferung einer Vorstellung von unvergänglicher [zeitloser] Seele nicht vereinbar. Zeitlos bedeutet Gegenwart mit Bezug auf die persönliche Handlung und Wirkung. Als Heiligtum [Pantheon] müsste hier die Kooperation, also die Mitwirkung und Teilnahme der Individuen erscheinen.

Was sind Götter? Voraus eine Bemerkung zum Begriff der Wörter göttlich und Götter: Der mit diesen Ausdrücken heute verwendete Inhalt kam erst mit den Römern und der Christianisierung nach Westeuropa nördlich der Alpen. Das ursprünglich germanische Wort *guda selber meinte vielleicht in etwas das "Gute", siehe auch hier: Was ist Gott? Im Kulturkreis des christlichen Abendlandes werden die metaphysischen Platzhalter heute automatisch in Bezug gesetzt mit den monotheistischen Vorstellungen. Etwas anderes ist nach nun bald 2000 Jahren gar nicht mehr möglich, aber das ist alles andere wie keltisch.

Darin ist auch der Zugang zum ehemals "keltischen" verborgen:

Möglich wird dies mittels Erfassung der "göttlichen" Geistlichkeit, welche das keltische Druidentum überlagerte. Hier ein ein individuelles Beispiel: Die keltische Mythologie: Das natürliche ist selber ist jenes, was andernorts als etwas "über-natürliches" benannt wurde, direkt und ohne Symbole. Ein Verständnis der keltischen Mythologie setzt voraus den zentralen Inhalt jener Glaubensvorstellungen, wie sie, als Beispiel, bei Lucanus (Pharsalia) überliefert sind:

Der Tod sei wie die Mitte eines langen Lebens ... es herrsche also weiterhin der gleiche Geist, nur in einem anderen Körper und in einer anderen Welt - [in dieser Welt] und andererseits die Kenntnis der Unterschiede zwischen einem magischen [unistisch] und einem theistischen [dualistisch] Weltbild.

Der Begriff Metaphysik war ursprünglich nur Buchtitel für Werke von Aristoteles und wurde vom griechischen Herausgeber Andronikus von Rhodos um 70 v.Chr. in Rom eingeführt. Heute wird damit eine im engeren philosophischen Sinn sehr allgemeine, auf die Totalität der Wirklichkeitserfassung abzielende Denkweise verstanden.

Der Monotheismus ist geschichtlich belegt, seit der ägyptische Pharao Echnaton (Amenophis IV.) den Aton zur alleinigen metaphysischen Instanz über Ägypten bestimmte (um 1340 v.Chr.), was zu grossen Unruhen führte. Kurz davor wird in Ägypten mit der aramäischen eine weitere grosse semitische Völkerwanderung registriert, als Pharao Ahmose die einst von Mesopothamien zugewanderten Hyksos aus dem Nildelta verjagte. Aus den Fremdarbeitern, die in Ägypten Aperu hiessen, von einem Mann mit dem ägyptischen Namen Mose angeführt wurden und sich erst spät, im 13. Jh. v.Chr., der aramäischen Wanderung anschlossen, sind die späteren Hebräer entstanden. Sicher ist, dass diese Menschen aus Ägypten bereits vom Monotheismus des Pharao Echnaton Kenntnis haben mussten und diese neuen Vorstellungen in die kanaanäischen Kleinfürstentümer mitbrachten, zwischen welchen sie sich schliesslich ansiedeln konnten. Daraus entstand später das monotheistische Christentum, welches dann, im Verbund vor allem mit antiker griechischer Philosophie, zur Staatsreligion im alten Rom wurde und als Vulgata/Bibel in die ganze Welt verbreitet werden sollte. Imperial und universal nach dem Motto: Und glaubst nicht willig, so hast Gewalt.

Heute ist schlicht falsch oder irreführend, die deutschsprachigen Wörter Gott/Götter/Gottheit anders wie im historischen Zusammenhang zu verwenden. Die Gegenwart als Moderne hat gar keinen Zugang mehr zu diesen Platzhaltern oder Figuren aus früheren gedanklichen Zusammenhängen. Wer also diese Wörter noch aktuell verwendet, trägt auch eine Christenkluft, im Ursprung altägyptischer Herkunft oder sonst was, wenn auch meist unbemerkt.

Ein Beispiel möge dies verdeutlichen:

Diodor von Sizilien berichtete im 1. Jh. v.Chr. von einer lange vor seiner Zeit durchgeführten Reise des phokäischen Seefahrers Pytheas in die nördlichen Meere und bemerkte eine enge Beziehung zwischen dem Kult von Delphi und den Britischen Inseln: Eine Geliebte des Zeus, Latona/Leto - die Mutter der Zwillingskinder Apollon und Artemis, soll nämlich aus Britannien stammen. Diodor, II, 47: Und das erklärt, warum die Inselbewohner Apollon so ausserordentlich verehren. Sie sind alle sozusagen seine Priester. Es gibt dort einen riesigen Steinkreis, der dem Apoll geweiht ist, sowie einen prachtvollen Rundtempel mit zahlreichen Opfergaben. Alle neunzehn Jahre soll Apoll diese Insel besuchen. [Weshalb 19? Weiterlesen ... der keltische Kalender]

Der entdeckungsreisende Seefahrer Pytheas, ein Grieche aus Marseille, findet auf einer britischen Insel einen Kult, der offenbar dem griechischen Apollonkult ähnlich war. Alle Inselbewohner, die er dort gesehen hat, seien seine Priester. Nun kann heute davon ausgegangen werden, dass er damit vermutlich die vorzeitliche Sternwarte Stonehenge meint, demnach beschreibt er eine Einklassengesellschaft von Gelehrten, welche sich mit der Sonne, dem Mond und den Gestirnen befassen. Die sogenannten Priester waren die Wissenschaftler in Form der damaligen Druiden bzw. derer Vorgänger (Stonehenge war schon vor der keltischen Besiedlung in Betrieb).

Die alten Griechen waren sich offenbar vollkommen im Klaren über die nordische Herkunft der Sonnenwissenschaft, erwähnen doch Überlieferungen, die mit ihrem Sonnenkult von Delphi zusammenhängen, einen hyperboreischen (nördlichen) Sonnenkult. Noch der römische Gelehrte Cicero unterscheidet später vier verschiedene Apoll-Gestalten, von denen die dritte aus den hyperboreischen, d.h. nördlichen Regionen nach Delphi gekommen sei. (De natura deo-rum, III, 23). Der Mythos von der Ankunft Apolls in Delphi und seinem siegreichen Kampf gegen die Schlange Python berichtet hingegen historisch gesehen vom plötzlichen Auftauchen der indo-europäischen Dorier, die bereits das Eisen kannten und den durch die Python symbolisierten Erdkult durch einen Sonnenkult bzw. deren Wissenschaft ersetzten.

Die Wörter welche auf Deutsch mit Gott/Götter/Gottheit übersetzt sind, wurden in der Antike im Polytheismus demnach nicht in einem metaphysischen (totalitären) Sinne verwendet wie heute, sondern als Bezeichnung für eine Wissenschaft, Naturereignisse oder andere heraus ragende reale Sachverhalte.

Anders ist der Zusammenhang im Druidentum des Keltentums. Die Grundlage des Monismus, alles und nichts sind eines im Ganzen, verunmöglicht die Denkbarkeit von metaphysischen Wesensheiten.

Die keltischen Druiden konnten sich gar keine Götter oder Göttinnen denken, vorausgesetzt, die überlieferten Hinweise auf Monismus und Trinität seien zutreffend. Was da heute modern in den Kreisen der Esoterik, Mystik, Spiritualität, Neuheidentum, Paganismus, Rekonstruktion [Recon Celtoi] und dergleichen rezitiert und voneinander abgeschrieben wird, kann lediglich Figuren und Platzhalter im Sinne einer Vorstufe von Gesetzen meinen, wie es sie auch tatsächlich gab, je nach Notwendigkeit und Ort verschieden. Aber keltisch Gott und Göttin? Keltische Götter? Keltische Göttinnen? Keltische Gottheiten? Eindeutig nein, gibt es nicht im trinitären Monismus.


Weil:

Alles (1) und Nichts (2) sind Eines (3) im Ganzen (Monismus)
oder die angepasste [christliche] Trinität
Im Namen (Monismus) der Eltern (1) der Kinder (2) und des Heiligen Geistes (3)


Obwohl sie sich darüber wundern, bezeugen alle Autoren der Antike ohne Ausnahme und unmissverständlich die Vorstellung in der keltischen Kultur von der unvergänglichen Seele und der Wiederauferstehung und Existenz in einer anderen Welt, [monistisch aber in dieser Welt]

Wer von der Todlosigkeit seiner Gedanken überzeugt ist, erfindet definitiv nichts Göttliches dazu.



Die damalige Verehrung der Kelten-Heros hat so gesehen überhaupt nichts mit metaphysischen Gottheiten zu tun, sondern war die gelebte Moral (der Geschichte) im Sinne von Vorbild und Nachfolgeprägung.

[weiterlesen ... Was ist Gott?]

 

 

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